OSRAM im Wedding

99 Jahre Glühlampenproduktion

Etwas versteckt befindet sich mitten in einem Wohngebiet ein großer, alter Fabrikkomplex – die OSRAM-Höfe. Zwischen Oudenarder und Liebenwalder, Groninger und Seestraße zeugen sie davon, dass es im Wedding einst eine breite Industrieproduktion gab. In mehreren großen Fabriken fanden vor über hundert Jahren Tausende Menschen Arbeit.

Begonnen hat die Firma Siegmund Bergmann & Co. 1889 im Blockinneren (heute Gebäude 8). Bergmann hatte zuvor in den USA zusammen mit Thomas Alva Edison die Glühbirne entwickelt und diese dann in Berlin hergestellt. Er produzierte zunächst elektrische Anlagen und Installationsmaterial, ab 1904 auch Glühlampen, die er „Bergmann-Metallfadenlampe“ nannte. Es sollen die ersten in Deutschland hergestellten Glühlampen gewesen sein. Die rasante Entwicklung und Verbreitung der Elektrizität machte eine schnelle Ausbreitung der Produktion nötig. Bis 1910 wurden ringsum und auch an den Straßenfronten zahlreiche neue Bauten errichtet, um die verschiedenen Produktionsbereiche aufnehmen zu können. Sie geben mit ihrer gelb-braunen Klinkerverkleidung und roten Verzierungen bis heute ein einheitliches Gesamtbild ab. In Hochzeiten der Produktion arbeiteten auf dem Gelände rund 5.500 Menschen.

Die Firma Bergmann wurde 1935 von der OSRAM AG übernommen und hieß nun „Werk B“. Das Gelände ist dann ständig erweitert worden, unter anderem auch auf die andere Seite der Oudenarder Straße. Bis heute verbindet eine Brücke die beiden Komplexe. Der Name OSRAM setzt sich zusammen aus den Silben OS für das Metall Osmium und RAM, die Endsilbe des Metalls Wolfram, was auf die verwendeten Metalle für die Glühfäden verweist.

Schwerpunkte der Produktion waren die ganze Zeit über Leuchtmittel, vor allem Glühbirnen. Aber auch andere Elektrogeräte sind dort hergestellt worden. Während des Kriegs wurde die Fabrik mehrmals von Fliegerbomben getroffen und teilweise stark beschädigt. Zwölf Jahre dauerte der Wiederaufbau. Doch 99 Jahre nach dem Beginn war an diesem Standort Schluss, die Produktion wurde hier 1988 eingestellt und in die Siemensstadt verlegt.

Das mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Gebäude-Ensemble wird heute OSRAM-Höfe genannt. Über 50 Gewerbebetriebe haben sich hier niedergelassen. Es gibt vor allem Handel, aber auch wieder Produktion und zahlreiche Dienstleistungen. Und auch der Polizeiabschnitt 17 ist von der Seestraße in die OSRAM-Höfe gezogen.

Doch selbst wenn man hier nichts zu erledigen hat lohnt ein Besuch. Durch die Tore in der Oudenarder oder der Groninger Straße kommt man in eine eigene Welt der alten Berliner Industriekultur. An zahlreichen Stellen sind noch Überbleibsel sichtbar, die davon zeugen, dass es dies ein Zentrum der Industrieproduktion war.