Bäuerliche Straßennamen

Erinnerung an vergangene Orte

Zwar ist der Wedding ein Stadtteil der Wohnviertel und Industrieanlagen. Aber das war nicht immer so. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es auf dem heutigen Gebiet des Weddings noch Ackerbau, Felder und Wiesen. Bei der Parzellierung der Gebiete nördlich des heutigen Ortsteils Mitte gab man sich jedoch nicht so viel Mühe, den neu angelegten Straßen besondere Namen zu geben. Und so ist noch heute die bäuerliche Vergangenheit des Ortsteils in Straßennamen sichtbar, besonders im südlichen Teil des Weddings.

Müllerstraße: Tatsächlich gab es hier insgesamt 25 Windmühlen, deshalb müsste sie eigentlich Mühlenstraße heißen.

Ackerstraße: Sie wurde im 18. Jahrhundert nach einem Weg durch Berliner Feldmark benannt.

Feldstraße: Das gleiche gilt für die Feldstraße, die die Ackerstraße kreuzt.

Fennstraße: Der Name verweist auf eine morastig-sumpfige Niederung an diesem Ort hin. Heute könnte sie auch Bayerstraße heißen, da dieser Konzern die gesamte Straße dominiert.

Gartenstraße/Gartenplatz: Außerhalb der damaligen Stadtmauern wurden bereits unter dem Alten Fritz ausländische Gärtnerfamilien angesiedelt.

Sellerstraße: In dem Gebiet befanden sich im 17. und 18. Jahrhundert die fiskalischen Karpfenteiche (Adler- und Sellerteiche).

Torfstraße: Benannt nach den torfhaltigen Wiesen, die sich zu beiden Seiten der Straße hinzogen.

Triftstraße: Eine geringwertige Viehweide auf ärmlichem Boden, die es hier gab. Meist wurde sie zum Grasen durch Schafherden genutzt.

Wiesenstraße: Die Gärten und Wiesen des Vorwerks Wedding erstreckten sich bis zu dieser Straße.

Aber auch an anderen Stellen wurden Straßen nach bestehenden Orten benannt, so die Seestraße, die Brunnenstraße sowie die Badstraße (nach dem Luisen-Gesundbrunnen). Elf der genannten Straßennamen ist gemein, dass die jeweiligen Orte heute nicht mehr existieren. Die einzige Ausnahme ist die Seestraße, die zum Plötzensee führt. Keinen bäuerlichen Ursprung, aber wenigstens einen handwerklichen, hat die Papierstraße an der Grenze zu Reinickendorf. Sie hat ihren Namen auch aus der Geschichte des Ortes. Bereits um 1730 wurde dort eine Papiermühle gebaut, in der Leinen und Hanf, Lumpen und Holzschliff zermahlen und gebleicht wurden. Dies war dann der Grundstoff für die Papierherstellung. Historiker vermuten, dass die Papierstraße, die nahe Holzstraße sowie die Holländerstraße ihre Namen daher haben. Als Holländer wurden die Becken bezeichnet, in denen die Textilien in der Mühle zermahlen wurden.
Heute befindet sich dort eine Firma, die für Film- und Fernsehproduktionen einen wichtigen Stoff herstellt, der von dort in die ganze Welt verschickt wird: Realistisch aussehendes Kunstblut, 50 Milliliter für 7,90 Euro.